Am Küchentisch liegt ein Apfel, gelb und rotbackig, so richtig zum Hineinbeißen. Ich habe ihn heute beim Spaziergang gefunden und weil er so schön war, nicht gleich verspeist. Nun erfüllt sein Duft den ganzen Raum.

Ich nehme ihn in meine Hände, bestaune noch einmal seine Farben, fühle die glatte Schale, schicke meine Gedanken in sein Inneres, wo die braunen Kerne schlummern, die ich in die Erde stecken könnte, um einen neuen Apfelbaum wachsen zu lassen.

Und ich denke mir zugleich, wie gleichgültig wir oft so eine köstliche Frucht verspeisen, ohne mit all unseren Sinnen zu spüren, welch großes Wunder uns in einem gewöhnlichen Apfel begegnet.Sehen Sie, genau deswegen feiern wir Erntedank!

Es fällt nicht zufällig in meine Lieblingsjahreszeit, den Herbst. Es ist die Zeit der Ernte, die Zeit, die Früchte einzubringen und sich an dem zu freuen, was uns die Natur geschenkt hat.
Trotz aller Technik und bei allen modernen Möglichkeiten, die wir heute haben, sind wir ein Teil von ihr und von ihr abhängig. Das wurde uns heuer ganz besonders vor Augen geführt – in diesem Sommer ohne Regen.

Die Natur zeigt uns den Rhythmus des Lebens, Wachsen und Aufblühen, aber auch wieder Sterben und Vergehen. Sie zeigt uns aber auch: Vor dem Vergehen können wir ernten, können wir danken – Gott, der Natur und unserem Leben …

Walter Drexler Ein Apfel

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