Die Regionalzeitung der Süd-Weststeiermark - Auflage: 43.000 Stück

Am 2. Februar startete Andreas Thürschweller in sein zehntes Jahr als Bürgermeister der Marktgemeinde Eibiswald. Hinter ihm liegen 3.288 Tage des Gestaltens. Im Gespräch mit der Aktiv Zeitung stellte sich weniger die Frage nach Erreichtem als vielmehr nach dem Kommenden.

 

Wenn Sie auf 3.288 Tage Verantwortung zurückblicken, was sind Gedanken, die Ihnen dabei durch den Kopf gehen?
Dankbarkeit. Dankbarkeit für das Vertrauen der Bevölkerung und für die vielen Menschen, die diesen Weg mit mir gehen. Bürgermeister zu sein, ist kein klassischer 8-Stunden-Job, sondern eine Aufgabe, die Leben prägt.

Unzählige Entscheidungen galt es, in neun Jahren zu treffen. Welche Weichenstellungen waren rückblickend die wichtigsten, um Eibiswald in die Zukunft zu führen?
Gezielte Investitionen in Gesundheit, Bildung, Infrastruktur und Sicherheit (Feuerwehrwesen) stärken die Lebensqualität in unserer Marktgemeinde nachhaltig. Dabei ging es immer weniger um einzelne Bauwerke, als um das Gesamtbild unserer Gemeinde, die sich weiterentwickelt, ohne an Identität zu verlieren.
Nun, in finanziell angespannten Zeiten, gilt es, umso bewusster Prioritäten zu setzen. Zusammenhalt, über Parteigrenzen hinweg ist dabei wichtiger denn je.

Inwiefern ist Ihnen dabei Erfahrung eine Hilfestellung?
Nach neun Jahren ist es mir möglich, Ruhe zu bewahren und Dinge einzuordnen. Ich weiß, was umsetzbar ist und was Zeit braucht.
Erfahrung darf aber nie dazu führen, Neues abzulehnen. Der Austausch mit jungen Menschen, Betrieben und Vereinen fördert frische Ideen, die unsere Marktgemeinde weiterbringen.

Wo setzen Sie Schwerpunkte in Ihrem zehnten Amtsjahr?
Im Zentrum steht für mich die konsequente Umsetzung des Bürgerbeteiligungsprojekts „Unsere Zukunftsstrategie“.
Was gemeinsam mit rund 2.500 Eibiswaldern erarbeitet wurde, ist für mich Auftrag. Davon weiche ich nicht ab.
Hand in Hand wird an der nachhaltigen Gestaltung eines lebendigen Ortszentrums gearbeitet. Erfreulich ist, dass Eibiswald südlich von Deutschlandsberg die beste ärztliche Versorgung – Stichwort Gesundheitszentrum – in der Region hat. In den nächsten Wochen wird sich auch bei der Besetzung der vierten Kassenstelle etwas tun.
Großes Augenmerk wird weiters auf Sicherheit gelegt. Nach Verhandlungen mit dem Land Steiermark ist die Finanzierung des rund 600.000 Euro teuren Stützpunktfahrzeugs für die FF Eibiswald sichergestellt. Weiters wurde in bauliche Maßnahmen bei den Rüsthäusern Pitschgau/Haselbach und Hörmsdorf investiert. Laufend werden alle unsere sechs Wehren darin unterstützt, der Bevölkerung größtmögliche Sicherheit mit modernem Gerät zu bieten.

Thurschweller 2

Bgm. Andreas Thürschweller: „Austausch ist für mich Grundlage meiner Arbeit. Menschen zuzuhören, ist Schlüssel einer identitätsstiftenden Kommunalpolitik.“

Wo liegen für Sie die größten Herausforderungen in der Weiterentwicklung der Marktgemeinde?
Wie alle anderen Gemeinden auch, kämpft Eibiswald mit steigenden Kosten, wirtschaftlichen Unsicherheiten und begrenzten finanziellen Spielräumen. Umso wichtiger ist es, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, tragfähige Netzwerke zu pflegen und gute Kontakte zum Land Steiermark zu nutzen, um Fördermöglichkeiten bestmöglich auszuschöpfen.

Woraus ziehen Sie nach neun intensiven Jahren Ihren Antrieb, weiter für Eibiswald Verantwortung zu übernehmen?
Es reizt mich, Dinge weiterzubringen. Wenn man sieht, dass Projekte wirken, dass Menschen konkret davon profitieren und dass eine Gemeinde generationsübergreifend zusammenhält, dann gibt das Kraft und Energie – und ich habe noch viel davon.
Besonderen Antrieb gibt mir der direkte Kontakt mit den Menschen, die vielen Begegnungen im Alltag, die Gespräche, bei denen sich durch das genaue Hinhören oft neue Ideen und Visionen eröffnen.

Jeder Politiker will irgendwann mit Stolz sein Amt übergeben. Wie soll sich Eibiswald darstellen, um sagen zu können: „Das waren gute Jahre“?
Wenn ich sagen kann, dass die Marktgemeinde ein gutes Zuhause für Kinder, Familien und ältere Menschen geblieben ist.
Wenn Unternehmen stabil und Arbeitsplätze gesichert sind. Wenn Begegnungsorte lebendig sind, Vereine aktiv und ein sanfter Tourismus unsere Betriebe stärkt. Aber vor allem dann, wenn die Eibiswalder sagen: Unsere Gemeinde hat sich weiterentwickelt, ohne an Herz zu verlieren.

Danke für das Gespräch. •