
Es ist mehr als deutlich, dass die Tierindustrie mit allen Mitteln versucht, Menschen davon abzuhalten, Tiere als das zu erkennen, was sie eben nicht sind: Produkte. Wenn wir schon bei korrekter und nicht irreführender Kennzeichnung sind, stellt sich doch die Frage: Warum nennen wir zerhackte Körperteile eines Lebewesens „Schnitzel“, „Würstel“, „Braten“ oder gar „Feinkost“? Allein am Beispiel des Würstels wird deutlich, wie sprachlich geschönt hier über das tatsächliche - industriell hoch verarbeitete Produkt - hinweggetäuscht wird.
Ein einziges Würstel enthält Körperteile von Dutzenden verschiedenen Tieren – oft sind es Reste, die für andere „Fleischprodukte“ nicht mehr verwertbar sind: Sehnen, Knorpel, Haut, Fett, Separatorenfleisch, vermischt mit Wasser, Nitritpökelsalz, Gewürzen, Phosphaten und Konservierungsmitteln. Die Herkunft dieser Bestandteile lässt sich selten bis gar nicht auf ein einzelnes Tier zurückverfolgen – vielmehr handelt es sich um eine Mischung aus den Überresten unzähliger Tiere, die anonym in der Massenproduktion verarbeitet werden.
Ein Würstel ist also kein Produkt eines Tieres, sondern vielmehr das Endergebnis eines Systems, das Tiere zu Rohstofflieferanten degradiert. Der Begriff „Würstel“ verniedlicht diesen Prozess und verschleiert die Realität hinter dem Produkt – genau das, was bei veganen Produkten angeblich so problematisch sein soll.
Ein weiteres Beispiel für die absurde Debatte um „ehrliche“ Bezeichnungen sind herkömmliche Gummibärchen: bunt, süß, fröhlich – und doch alles andere als das, was Kinder jemals essen würden - wenn man ihnen ehrlich sagen würde, was in (nicht veganen) Gummibärchen tatsächlich drin steckt: Ein einziger Beutel enthält ausgekochte Haut, Bindegewebe und Knochen von unzähligen „Peppa Pigs“ und „Klarabella Kuhs“ - reduziert auf eine zähe, geschmacklose Substanz, die nur dank künstlichem Geschmack überhaupt „genießbar“ ist. Doch auf der Verpackung und in der Werbung sieht man weder Knochen noch Schweineschnauzen, also keine Realität – nur ein lächelndes Bärchen, welches mindestens genauso irreführend ist wie ein veganes Schnitzel.
Ironischerweise sind es ausgerechnet vegane Alternativen, die wegen ihrer ehrlichen Kennzeichnung in die Kritik geraten – während Produkte mit tierischen Bestandteilen, die aus reiner Gewohnheit akzeptiert sind, selten hinterfragt werden.
Für mich persönlich reicht jedenfalls allein die Vorstellung von „leben und leben lassen“ und der Respekt vor allem, was geboren wurde, als Grund aus, vegane Produkte zu bevorzugen – unabhängig davon, ob sie „natürlicherweise“ vegan sind oder als Ersatz für Tierprodukte hergestellt werden.
Isabel Kelemen,
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