Verpackt in einen Roman, wo Gut und Böse, Ausgrenzung und Freundschaft miteinander Polka tanzen, erklärt Autor und Schauspieler August Schmölzer der Weststeiermark unverklärt seine Liebe. „Heimat II – Die Rückkehr“ idealisiert nicht, richtet nicht und hält nüchtern betrachtet uns allen den Spiegel vor.
Bei der Buchpräsentation im Steiermarkhof in Graz wurde deutlich, was sich wie ein roter Faden durch das literarische Werk von August Schmölzer zieht: Seine tiefe Verbundenheit mit seiner weststeirischen Heimat – und zugleich sein kritischer Blick auf jene Heimat, die er liebt.
Roman-Autor
Mit seinem zweiten Roman „Heimat II – Die Rückkehr“ setzt der Schauspieler und Autor seine literarische Vermessung des fiktiven weststeirischen Dorfes St. Vinzenz fort. Bereits der erste, 2024 erschienene Roman, war weder eine nostalgische Verklärung des Ländlichen noch ein anklägerisches Anti-Heimat-Buch.
Auch im zweiten Band steht Josef Sudi im Mittelpunkt. Der pensionierte Gendarm hat sich auf dem Sommerhansl-Hof eingelebt und mit Karin sein privates Glück gefunden. Doch die Idylle trügt. Im Dorf gehen die Dinge ihren gewohnten Gang: Der Schilcher fließt, Gerüchte machen die Runde und manches Unbequeme wird verschwiegen. Ein berühmter Dichter, der als „verlorener Sohn“ in sein Heimatdorf zurückkehrt, bringt Bewegung in diesen Mikrokosmos.
Während im ersten Roman noch ein Kriminalfall im Vordergrund stand, widmet sich Schmölzer diesmal stärker den Menschen. Depression, Einsamkeit, Alkohol und das oft mühsame männliche Schweigen über Ängste gehören ebenso dazu wie Liebe, Freundschaft, Untreue und Verrat.
August Schmölzer (4. v. li.) bei der Präsentation seiner beiden Bücher „Heimat II – Die Rückkehr“ und „Oberdenglers Wahrheiten“ im Grazer Steiermarkhof.
Kolumnenschreiber
Eine zweite Seite des Autors zeigt sich in „Oberdenglers Wahrheiten“, einer Sammlung seiner monatlichen Kolumnen im ORF Steiermark und im Magazin Fazit. Hier richtet Schmölzer den Blick unmittelbar auf die gesellschaftliche und politische Gegenwart.
Er schreibt über Wahlergebnisse, Politiker, gesellschaftliche Entwicklungen und unterschiedliche Lebenshaltungen. Sein Grundsatz ist die Achtung vor den Menschen und das Vertrauen darauf, dass die Leute sehr wohl selbst denken können.
Herkunft prägt
Das Publikum im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal des Steiermarkhofs hörte gebannt zu. Unter den Gästen waren u. a. Schmölzers Gattin Veronika Erhardt-Schmölzer, der Bürgermeister von St. Stefan, Stephan Oswald, und Bruder Josef. Durch den Abend führte Fazit-Editor Christian Klepej.
Untermalt von der Gruppe Kreuzberg Blos gelang es, die richtige ländliche Stimmung nach Graz zu bringen. Die Lesung und das Gespräch machten deutlich, wie eng Schmölzers literarische Arbeit mit seiner Herkunft, seinen Beobachtungen und seinem gesellschaftlichen Engagement verbunden ist. Seine Geschichten erzählen von einer Heimat, die nicht perfekt sein muss, um liebenswert zu sein – und die gerade deshalb einen ehrlichen Blick verdient. •